Wie viel Koffein steckt in deinem Kaffee wirklich? Der vollständige Guide
Die meisten Koffeinrechner im Netz arbeiten mit Durchschnittswerten: Espresso = 75 mg, fertig. Das ist Quatsch. Ein Espresso aus 100 % Robusta mit 18 g Bohne hat dreimal so viel Koffein wie ein Büro-Vollautomat-Espresso aus Arabica mit 7 g. Dieser Guide zeigt dir, welche Variablen tatsächlich über den Koffeingehalt entscheiden — von der Pflanze über die Röstung und Zubereitung bis in deinen Stoffwechsel. Alles, was du hier liest, fließt in den Rechner oben ein.
Was ist Koffein eigentlich?
Koffein ist chemisch ein Alkaloid mit dem sperrigen Namen 1,3,7-Trimethylxanthin und gehört zur Gruppe der Methylxanthine. Es ist das weltweit meistkonsumierte psychoaktive Molekül. In der Pflanze erfüllt es keine Wachmach-Funktion, sondern dient als natürliches Insektizid: Kaffeesträucher produzieren Koffein, um Schädlinge abzuwehren. Je feindlicher die Umgebung, desto mehr Koffein — genau das ist der Grund, warum Robusta-Bohnen aus dem warmen, feuchten Tiefland mehr Koffein enthalten als Arabica aus den kühleren Höhenlagen.
Im menschlichen Körper wirkt Koffein als Adenosin-Rezeptor-Antagonist. Adenosin ist ein Botenstoff, der sich im Laufe des Tages im Gehirn anreichert und uns müde macht, indem er an A1- und A2A-Rezeptoren bindet. Koffein hat eine so ähnliche Molekularstruktur, dass es problemlos die Blut-Hirn-Schranke passiert und die Adenosin-Rezeptoren blockiert — ohne sie zu aktivieren. Du fühlst dich nicht wach, weil Koffein dir Energie gibt. Du fühlst dich wach, weil das Müdigkeitssignal vorübergehend unterdrückt wird. In höheren Dosen hemmt Koffein zusätzlich das Enzym Phosphodiesterase und erhöht den cAMP-Spiegel, was die typischen Herzrhythmus-Effekte erklärt.
Die Bohne entscheidet: Arabica vs. Robusta
Rund 98 % des weltweiten Kaffees stammen aus zwei Arten: Coffea arabica und Coffea canephora (Robusta). Der Unterschied im Koffeingehalt ist dramatisch: Arabica enthält 1,2–1,5 % Koffein, Robusta 2,2–2,7 %. Umgerechnet auf ein Gramm Rohbohne entspricht das rund 12 mg bei Arabica und 24 mg bei Robusta — ziemlich genau die doppelte Menge. Natürliche Schwankungen durch Höhenlage, Klima und Varietät verschieben diese Werte um weitere 10–20 % nach oben oder unten, bei einzelnen Spitzenchargen wurden für Robusta Messwerte bis zu 26 mg/g berichtet.
Selbst innerhalb von Arabica gibt es spürbare Varianzen: Brasilianische Santos-Bohnen liegen bei etwa 1,3 % Koffein, höher gewachsene Cerrado-Bohnen (durch Höhenstress) erreichen 1,4 %. Die Bourbon-Varietät produziert systematisch rund 10–15 % mehr Koffein als die ältere Typica-Varietät. Wer einen besonders wachmachenden Kaffee sucht, greift zu italienischen Espresso-Blends mit 10–30 % Robusta-Anteil — ein Espresso aus so einem Blend kann locker 90–120 mg Koffein pro Shot liefern, statt der üblichen 63 mg bei 100 % Arabica.
Auch entkoffeinierter Kaffee ist nie zu 100 % koffeinfrei. Eine 150-ml-Portion liefert immer noch 2–3 mg Koffein — vernachlässigbar bei einer Tasse am Tag, relevant bei Vieltrinkern oder strikten Koffein-Reduzierungen.
Röstgrad: Mythos und Realität
Hartnäckig hält sich der Glaube, dunkle Röstung hätte mehr Koffein, weil sie „stärker" schmeckt. Chemisch ist das falsch. Koffein ist thermisch extrem stabil und überlebt die typischen Rösttemperaturen von 200–240 °C nahezu vollständig; es sublimiert erst bei rund 178 °C bei Normaldruck, aber in der geschlossenen Bohnenmatrix bleibt es bis über 240 °C erhalten. Der tatsächliche Unterschied entsteht nicht durch Zerstörung, sondern durch die Dichte der Bohne.
Beim Rösten verdampft Restwasser, CO₂ entsteht durch Pyrolyse, die Zellwände blähen sich auf. Dunkel geröstete Bohnen sind größer und leichter, hell geröstete dichter und schwerer. Das US-Magazin Cook's Illustrated hat das experimentell überprüft: Misst man nach Volumen (Löffel), enthält der Kaffee aus heller Röstung 60 % mehr Koffein, weil mehr Masse in den Löffel passt. Misst man nach Gewicht (Waage), enthalten beide fast identische Mengen — dunkle Röstung sogar minimal mehr, weil der Wasseranteil beim Rösten gesunken ist und der Koffein-Prozentsatz in der verbleibenden Masse leicht steigt.
Der Profi-Modus des Rechners berücksichtigt das automatisch: Wenn du „Volumen (Löffel)" als Messmethode wählst, wird bei heller Röstung der Koffeingehalt nach oben skaliert (weil pro Löffel mehr zellulare Bohnenmasse steckt) und bei dunkler Röstung nach unten — misst du dagegen in Gramm auf der Waage, bleibt die Berechnung praktisch linear.
Zubereitung: Perkolation vs. Immersion
Die Extraktionsmethode entscheidet, wie viel des in der Bohne vorhandenen Koffeins tatsächlich in deine Tasse übergeht. Grundsätzlich unterscheidet die Kaffeewissenschaft zwei Modi: Perkolation (Wasser fließt durch das Kaffeebett) und Immersion (Kaffee zieht im Wasser). Beide haben andere Effizienzen.
Perkolation — Handfilter (V60, Chemex), Filtermaschine, Siebträger, Moka-Kanne — ist hocheffizient, weil kontinuierlich frisches Wasser mit niedrigem Gelöst-Anteil auf das Kaffeepulver trifft. Der Konzentrationsgradient bleibt hoch, die Koffein-Diffusion läuft permanent. Typischer deutscher Filterkaffee liegt bei 50–75 mg pro 100 ml — eine 200-ml-Tasse enthält also 100–150 mg, eine 300-ml-Tasse 150–225 mg, je nach Dosis und Brewing-Stärke. Espresso ist eine Sonderform der Perkolation unter Druck (9 bar): die höchste Konzentration pro Milliliter (bis 420 mg/100 ml im Ristretto), aber bei nur 30 ml Portionsgröße ergibt das „nur" 63–68 mg pro Shot.
Immersion — French Press, AeroPress (im Standardverfahren), Cold Brew — ist leicht weniger effizient, weil ein Teil des gelösten Koffeins im Kaffeesatz zurückbleibt (der Satz absorbiert etwa das Doppelte seines Gewichts an Wasser). Dafür erlaubt diese Methode hohe Dosen: eine klassische French-Press-Portion mit 16 g Kaffee auf 250 ml liefert 135–220 mg Koffein. Cold Brew setzt auf extrem verlängerte Kontaktzeit (8–24 Stunden) und hohe Kaffee- Wasser-Verhältnisse (1:5 bis 1:8 im Konzentrat). Eine verzehrfertige 250-ml-Portion liegt je nach Verdünnung bei 150–250 mg Koffein — unverdünntes Konzentrat deutlich darüber.
Vollautomaten: Stärkegrade und DoubleShot
Kaffeevollautomaten sind die dominierende Zubereitungsart in deutschen Büros und Privathaushalten — und sie funktionieren anders als manuelle Maschinen. Die „Kaffeestärke" wird nicht über die Wassertemperatur gesteuert, sondern über die Mahldauer und damit die Gramm Kaffee pro Bezug. Die Spannweite je Bezug reicht von 6 g (sehr mild) bis zu 16 g (sehr stark). Durchschnittlich operieren die Geräte auf Normalstufe mit 8–10 g pro Tasse.
Marken-Spezifika: Siemens EQ-Serie (EQ.6, EQ.9) arbeitet mit fünf Stärkestufen plus der „doubleShot"-Funktion — dabei wird der Kaffee in zwei getrennten Brühzyklen gezogen, was die Pulvermenge auf bis zu 24 g kumuliert und den Koffeingehalt schlagartig verdoppelt. Jura-Geräte (E8, Z6) haben bis zu 10 Stärkestufen und eine „LightBrew"-Technologie für filterkaffeeähnliche Getränke mit reduzierter Pulvermenge. DeLonghi (Eletta Explore, Magnifica S) arbeitet ebenfalls mit fünf Stufen, typische Espresso-Bezüge liefern rund 67 mg bei 30 ml Auslauf.
Wichtig für Milchgetränke wie Cappuccino, Latte oder Flat White: Die Milch verdünnt nur das Volumen im Glas, nicht die absolute Koffeinmenge. Ein großer Milchkaffee auf Basis eines Double Shots enthält genauso viel Koffein wie der Double Shot allein — rund 125 mg.
Pharmakokinetik: Wie dein Körper Koffein verarbeitet
Nach dem Schluck wird Koffein im Magen-Darm-Trakt zu fast 100 % aufgenommen, es überwindet problemlos Zellmembranen und verteilt sich im gesamten Körperwasser. Die maximale Plasmakonzentration wird typischerweise 15–45 Minuten nach der Einnahme erreicht. Das scheinbare Verteilungsvolumen liegt bei etwa 0,6 Litern pro Kilogramm Körpergewicht — eine 70-kg-Person hat also rund 42 Liter, über die sich das Koffein verteilt.
Der Abbau erfolgt zu über 95 % in der Leber, nicht über die Nieren. Das verantwortliche Enzym ist Cytochrom P450 1A2 (CYP1A2). Es spaltet Koffein in drei aktive Abbauprodukte: Paraxanthin (84 %), Theobromin (12 %) und Theophyllin (4 %). Die Halbwertszeit — also die Zeit, bis die Hälfte der Dosis abgebaut ist — liegt im Durchschnitt bei 4–5,7 Stunden. Die individuelle Spannweite reicht allein durch genetische Variationen im CYP1A2-Gen von 2 bis 8 Stunden. Das heißt: Zwei Personen mit identischem Kaffeekonsum können völlig unterschiedliche Koffeinspiegel haben.
Mathematisch modelliert unser Rechner den Abbau als exponentiellen Zerfall erster Ordnung: C(t) = d × 0,5^(t / t½), wobei d die Dosis, t die Zeit seit Einnahme und t½ die personalisierte Halbwertszeit ist. Bei mehreren Getränken über den Tag werden die einzelnen Zerfallskurven überlagert (Superpositionsprinzip) — genau das siehst du im 24-Stunden-Graph oben.
Individuelle Faktoren: Geschlecht, Alter, Lebensstil
Ein Rechner mit fester 5-Stunden-Halbwertszeit liefert für viele Menschen grob falsche Werte. Deshalb frage ich im Profil-Bereich einige relevante Faktoren ab. Hier sind die wichtigsten:
- Geschlecht: Frauen haben im Mittel eine etwa 10 % längere Halbwertszeit als Männer (5,5 gegenüber 5,0 Stunden) — eine Folge geringerer CYP1A2-Aktivität. Wichtig: Während einer Schwangerschaft oder unter Einnahme der Pille überlagern sich andere Effekte, dann ist der Geschlechter-Effekt Nebensache.
- Alter: Für Kinder und Jugendliche unter 18 gilt nach EFSA ein gewichtsbasierter Grenzwert von 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht — nicht die 400 mg für Erwachsene. Der Rechner passt das automatisch an, sobald du Alter und Gewicht eingibst.
- Rauchen: Aktives Rauchen halbiert die Halbwertszeit (auf etwa 2,5 Stunden), weil Tabakinhaltsstoffe CYP1A2 induzieren. Das erklärt, warum starke Raucher riesige Kaffeemengen vertragen — und warum Rauchstopp tückisch ist: Innerhalb weniger Tage normalisiert sich der Stoffwechsel, und der gewohnte Kaffee führt plötzlich zu Herzklopfen und Schlaflosigkeit, was als Nikotinentzug fehlinterpretiert wird.
- Orale Kontrazeptiva (Pille): Verdoppeln die Halbwertszeit auf etwa 10 Stunden durch kompetitive Hemmung des Leberenzyms. Ein Nachmittagskaffee wirkt bis in die Nacht.
- Schwangerschaft: Trimester 1 verdoppelt, Trimester 2 verlängert um 2,5×, Trimester 3 verdreifacht die Halbwertszeit bis auf 15 Stunden. Grund: Hormonelle Herunterregulierung von CYP1A2. Koffein passiert die Plazenta und der Fötus kann es nicht eigenständig abbauen — deshalb das strengere 200-mg-Limit.
- BMI > 30: Übergewicht verlangsamt den Abbau um etwa 30 %.
Koffein und Schlaf
Der Effekt auf den Schlaf wird häufig unterschätzt. Selbst 30–80 mg Restkoffein zur Bettzeit können die Tiefschlafphasen messbar reduzieren und den Melatonin-Rhythmus um bis zu 40 Minuten verschieben — vergleichbar mit moderatem Lichtkonsum am Abend. Eine kontrollierte Doppelblind- Studie von Drake, Roehrs, Shambroom und Roth (Journal of Clinical Sleep Medicine, 2013) hat gezeigt, dass 400 mg Koffein noch sechs Stunden vor dem Schlafengehen die objektive Schlafdauer um durchschnittlich eine Stunde verkürzt — auch wenn die Probanden den Effekt subjektiv nicht bemerkten.
Mein Rechner nimmt deine geplante Bettzeit als Referenz und berechnet per Binärsuche die späteste Uhrzeit, zu der du noch einen 100-mg-Kaffee trinken kannst, ohne dass der Spiegel zur Bettzeit über 50 mg liegt. Bei Normalwerten heißt das: Letzter Kaffee etwa 8 Stunden vor dem Schlafen. Bei Pille, Schwangerschaft oder Cold Brew verschiebt sich dieser Cutoff teilweise drastisch.
Sicherheitsgrenzen nach EFSA
| Gruppe | Tageshöchstmenge | Einzeldosis |
|---|---|---|
| Gesunde Erwachsene (18–65) | 400 mg (≈ 5,7 mg/kg) | 200 mg |
| Schwangere & Stillende | 200 mg | 100 mg |
| Kinder & Jugendliche (3–18) | 3 mg/kg Körpergewicht | 3 mg/kg |
| Senioren (65+) | unverändert 400 mg | 200 mg |
Die 400-mg-Grenze stammt aus der EFSA Scientific Opinion on Caffeine (2015) und wurde umfassend validiert. Sie entspricht etwa vier bis fünf Tassen regulärem Filterkaffee oder fünf bis sechs einfachen Espressi. Die 200-mg-Einzeldosis-Grenze stammt aus Untersuchungen zu akuten Herz-Kreislauf-Reaktionen — plötzlicher Konsum darüber kann Herzrasen und Nervosität auslösen. Bemerkenswert: Der gleichzeitige Konsum von Alkohol oder Taurin verändert die Sicherheit dieser Dosis nicht, allerdings maskiert Koffein die Alkoholwirkung nicht so stark, wie viele annehmen.
Die toxikologische Gefahrenzone beginnt deutlich über 6 mg/kg Körpergewicht, also über 400 mg für einen 70-kg-Erwachsenen in kurzer Zeit. Die theoretische letale Dosis (LD50-Äquivalent) liegt bei etwa 150 mg/kg — für eine 70-kg-Person wären das rund 10,5 g reines Koffein, eine Menge, die durch regulären Kaffeekonsum physikalisch kaum erreichbar ist. Gefährlich werden konzentrierte Koffein-Pulver oder -Tabletten aus dem Internet-Handel.
So funktioniert dieser Rechner im Detail
Der Rechner oben arbeitet in drei Stufen:
- Koffeinmenge pro Getränk: Im Schnell-Modus nutze ich Median-Werte aus Laboranalysen (EFSA, USDA, University of Newcastle). Im Profi-Modus rechne ich nach der Formel Dosis (g) × Bohnen-Koffein (mg/g) × Röst-Faktor × Extraktions-Faktor — also wissenschaftlich korrekt unter Berücksichtigung von Bohnensorte, Röstung, Volumen-vs.-Gewichts-Messung und Brühmethode.
- Aktueller Koffeinspiegel: Mit der personalisierten Halbwertszeit aus deinem Profil berechnet das System den Restgehalt im Blut via Superposition aller Einträge. Ergebnis: Die aktuelle Zahl in mg und der 24-Stunden-Verlaufs-Graph.
- Empfehlungen: Die Ampel vergleicht deine Tagessumme mit dem für dich geltenden Limit (400 bzw. 200 mg oder gewichtsbasiert bei Jugendlichen). Die Schlaf-Empfehlung nutzt Binärsuche, um die späteste Uhrzeit für den nächsten Kaffee zu finden, damit du zur Bettzeit unter 50 mg bleibst.
Alle Werte werden als Range (z. B. 120–140 mg) angezeigt statt als Scheinpräzision — reale Schwankungen durch Bohnencharge, Wasserqualität und Brühtechnik liegen bei ±20–30 %. Der Rechner ersetzt keine ärztliche Beratung, gibt aber deutlich präzisere Orientierung als pauschale Durchschnittsrechner.
Häufige Fragen zum Koffein
Wie viel Koffein hat ein Espresso wirklich?
Ein einfacher Espresso (25–30 ml) aus 100 % Arabica enthält im Mittel 63 mg Koffein, die Spanne reicht je nach Bohne und Extraktion von 40 bis 75 mg. Espressi aus Robusta- oder Blend-Bohnen (typisch in italienischen Mischungen) liegen deutlich höher: oft 70–130 mg pro Shot.
Hat Filterkaffee mehr Koffein als Espresso?
Typischer deutscher Filterkaffee enthält 50–75 mg Koffein pro 100 ml. In einer 200-ml-Tasse stecken also 100–150 mg, in einer großen 300-ml-Tasse 150–225 mg. Ein einfacher Espresso hat nur rund 63 mg — pro Portion weniger. Pro Milliliter ist Espresso aber deutlich konzentrierter. Für den Tages-Koffeinhaushalt zählt die getrunkene Gesamtmenge.
Wie viel Koffein ist pro Tag unbedenklich?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet bis zu 400 mg Koffein pro Tag für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Als Einzeldosis sollten 200 mg nicht überschritten werden. Für Schwangere und Stillende liegt das empfohlene Tageslimit bei 200 mg. Für Kinder und Jugendliche unter 18 gelten 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag als Obergrenze.
Wie lange bleibt Koffein im Körper?
Die Halbwertszeit liegt bei einem gesunden Erwachsenen durchschnittlich bei etwa 5 Stunden — nach dieser Zeit ist die Hälfte des Koffeins noch im Blut. Nach 10 Stunden ein Viertel, nach 15 Stunden ein Achtel. Aktive Raucher bauen Koffein doppelt so schnell ab, Schwangere im dritten Trimester brauchen bis zu 15 Stunden für denselben Abbau. Frauen haben im Mittel etwa 10 % längere Halbwertszeiten als Männer.
Welcher Kaffee hat mehr Koffein: Arabica oder Robusta?
Robusta-Bohnen enthalten mit rund 2,2–2,7 % Koffein etwa doppelt so viel wie Arabica (1,2–1,5 %). Pro Gramm Rohbohne sind das ungefähr 24 mg gegenüber 12 mg. Italienische Espresso-Blends enthalten oft 10–30 % Robusta, was den Koffeingehalt gegenüber reinen Arabica-Blends merklich anhebt.
Erhöht dunkle Röstung den Koffeingehalt?
Nur minimal. Koffein ist hitzestabil und überlebt den Röstprozess fast vollständig. Dunkel geröstete Bohnen verlieren jedoch mehr Wasser und Volumen — misst du nach Gewicht (Waage), steckt in dunkler Röstung pro Gramm sogar leicht mehr Koffein. Misst du nach Volumen (Löffel), ist es bei heller Röstung mehr, weil die Bohnen dichter sind. Der Profi-Modus des Rechners oben berücksichtigt diese Volumen-Dichte-Verzerrung automatisch.
Wann sollte ich meinen letzten Kaffee trinken?
Als Faustregel: Dein Koffeinspiegel sollte zur Bettzeit unter 50 mg gefallen sein, damit der Schlaf nicht leidet. Bei einer normalen Halbwertszeit von 5 Stunden heißt das: letzter 100-mg-Kaffee etwa 8 Stunden vor dem Schlafengehen. Der Rechner oben zeigt dir die genaue Cutoff-Uhrzeit basierend auf deinem Profil — inklusive Anpassung, wenn du Pille nimmst, Raucherin bist oder schwanger bist.
Darf ich in der Schwangerschaft Kaffee trinken?
Die EFSA empfiehlt Schwangeren und Stillenden maximal 200 mg Koffein pro Tag — das entspricht etwa zwei kleinen Tassen Filterkaffee oder zwei bis drei Espressi. Im dritten Trimester verlangsamt sich der Koffeinabbau stark (Halbwertszeit bis 15 Stunden), das Koffein passiert die Plazenta zum Fötus. Im Zweifel mit Arzt oder Hebamme abstimmen.
Warum soll ich nach dem Rauchstopp weniger Kaffee trinken?
Rauchen beschleunigt den Koffeinabbau um etwa das Doppelte. Bei Rauchstopp normalisiert sich der Stoffwechsel innerhalb weniger Tage — Koffein bleibt plötzlich doppelt so lang im Körper. Trinkst du weiter deine gewohnte Menge, spürst du Herzklopfen, Unruhe und Schlafstörungen. Das wird oft fälschlich als Nikotinentzug fehlinterpretiert und kann die Rückfallquote erhöhen. In den ersten 4 Wochen nach dem Rauchstopp solltest du deine Koffeindosis halbieren.
Welche Rolle spielt das Geschlecht beim Koffeinabbau?
Frauen bauen Koffein im Mittel etwa 10 % langsamer ab als Männer, was an einer geringfügig niedrigeren CYP1A2-Enzymaktivität liegt. Bei Frauen unter oralen Kontrazeptiva (Pille) verdoppelt sich die Halbwertszeit sogar (auf etwa 10 Stunden), weil die enthaltenen Steroidhormone das abbauende Leberenzym hemmen. Im dritten Trimester einer Schwangerschaft erreicht die Halbwertszeit extreme 15 Stunden.
Gelten für Kinder und Jugendliche andere Grenzwerte?
Ja, deutlich strengere. Für Kinder und Jugendliche (3–18 Jahre) gilt nach EFSA-Empfehlung ein gewichtsbasierter Tageswert von maximal 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Ein 40 kg schwerer Zehnjähriger sollte also unter 120 mg pro Tag bleiben, ein 60 kg schwerer Teenager unter 180 mg. Bereits moderate Mengen beeinträchtigen Schlaf, Konzentration und können Angstzustände begünstigen.
Was passiert, wenn ich zu viel Koffein trinke?
Ab etwa 400 mg als Einzeldosis werden unangenehme Symptome wahrscheinlich: Herzrasen, Zittern, Nervosität, Magenbeschwerden und Schlaflosigkeit. Ab 1 Gramm wird es gefährlich, ab etwa 10 Gramm (für einen 70-kg-Erwachsenen) potenziell lebensbedrohlich — diese Menge ist durch normalen Kaffee praktisch nicht erreichbar, aber durch Koffein-Tabletten oder -Pulver. Chronischer Hochkonsum von über 600 mg täglich wird mit Bluthochdruck und Angststörungen in Verbindung gebracht.
Was hat Halbwertszeit mit meinem Schlaf zu tun?
Koffein blockiert Adenosin-Rezeptoren im Gehirn und unterdrückt damit das Müdigkeitssignal. Der Effekt endet aber nicht abrupt — er klingt langsam ab mit der Halbwertszeit. Selbst unbewusst wirksame 30 bis 80 mg Restkoffein zur Schlafenszeit können Tiefschlafphasen messbar reduzieren. Deshalb arbeitet unser Rechner mit einer Schlaf-Schwelle von 50 mg: fällt der berechnete Spiegel zur Bettzeit darunter, ist die Schlafqualität weitgehend unbeeinflusst.
Wie genau ist dieser Rechner?
Der Rechner basiert auf wissenschaftlichen Daten von EFSA, USDA und mehreren Kaffee-Fachstudien (u. a. University of Newcastle 2018, Illy & Viani, Pharmakokinetik-Reviews aus PubMed). Die tatsächlichen Werte in deiner Tasse können um ±20 bis 30 % schwanken — abhängig von Bohnencharge, Frische, Wasserqualität, Mahlgrad und Brühtechnik. Die Ergebnisse sind solide Schätzungen, ersetzen aber keine medizinische Beratung.
Bleiben meine Daten auf meinem Gerät?
Ja, vollständig. Der Rechner speichert deine Getränke-Einträge und dein Profil ausschließlich im LocalStorage deines Browsers — es gibt keinen Login, keinen Server, keine Cloud. Um Mitternacht werden die Getränke-Einträge automatisch zurückgesetzt, dein Profil bleibt bestehen. Wenn du den Browser wechselst oder den Cache löschst, sind die Daten weg.
Über den Autor
Kaffee-Enthusiast und Autor auf kaffeepioniere.de. Jonas hat seine Leidenschaft für Specialty Coffee während seiner Zeit als Barista in einer Berliner Rösterei entdeckt und vereint heute fundiertes Fachwissen mit der Freude am Experimentieren. Von der Auswahl der Bohne über Röstprofile bis zur perfekten Extraktion — sein Fokus liegt auf ehrlicher, praxisnaher Wissensvermittlung für alle, die ihren Kaffee bewusster genießen wollen. Besonders begeistert er sich für manuelle Zubereitungsmethoden, Herkunftsländer und die Handwerkskunst kleiner Röstereien.
Wissenschaftliche Quellen
Sämtliche Grenzwerte, Halbwertszeit-Faktoren und Brühparameter in diesem Rechner sind durch die folgenden öffentlich zugänglichen Primärquellen belegt. Die Zusammenstellung erfolgte durch den Autor (kein Mediziner) auf Basis peer-reviewter Fachpublikationen und behördlicher Risikobewertungen.
Pharmakologie und Koffein-Metabolismus
- Fredholm BB et al. (1999). Pharmacology of Caffeine. In: Institute of Medicine, Caffeine for the Sustainment of Mental Task Performance, National Academies Press.
- Grzegorzewski J et al. (2022). Pharmacokinetics of Caffeine — A Systematic Analysis of Reported Data for Application in Metabolic Phenotyping and Liver Function Testing. Frontiers in Pharmacology.
- Grzegorzewski J et al. (2021). Pharmacokinetics of Caffeine — bioRxiv Preprint.
- Joeres R, Richter E (1987). Caffeine as Test Substance for Liver Function. PubMed.
- Institute of Medicine. Pharmacology of Caffeine — Efficacy (Dosis-Wirkung). NCBI Bookshelf.
- Institute of Medicine. Caffeine for the Sustainment of Mental Task Performance — Executive Summary. NCBI Bookshelf.
- Weitere Pharmakokinetik-Studie: PubMed 34071879.
EFSA — Behördliche Grenzwerte
- European Food Safety Authority. Topic: Caffeine — Übersichtsseite.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2015). Scientific Opinion on the Safety of Caffeine. EFSA Journal 13(5):4102.
- EFSA (2015). Caffeine: EFSA estimates safe intakes — Pressemitteilung.
- EFSA. „EFSA explains: Caffeine" — Laienfassung als PDF.
Koffeingehalt und Brühparameter
- Olechno E et al. Influence of Various Factors on Caffeine Content in Coffee Brews. PMC.
- Olechno E et al. Caffeine Content in Coffee Brews. MDPI Foods.
- (2024). Caffeine Content in Filter Coffee Brews as a Function of Degree of Roast and Extraction Yield. PMC.
- The Effect of Brewing Process Parameters on Antioxidant Activity and Caffeine Content in Coffee Brews. PMC.
Schlaf und Individual-Faktoren
- Drake C, Roehrs T, Shambroom J, Roth T (2013). Caffeine effects on sleep taken 0, 3, or 6 hours before going to bed. Journal of Clinical Sleep Medicine, 9(11):1195–1200.
- Reichert CF et al. (2022). Adenosine, caffeine, and sleep–wake regulation. Journal of Sleep Research.
- Nehlig A. (2018). Interindividual Differences in Caffeine Metabolism and Factors Driving Caffeine Consumption. Pharmacological Reviews 70(2).
Wichtiger Hinweis: Dieser Guide und der Rechner sind als Orientierungs- und Informationswerkzeug gedacht. Die praxisnahen Abschnitte beruhen auf der Barista-Erfahrung des Autors, die Grenzwerte und pharmakokinetischen Angaben auf den oben verlinkten Fachquellen (EFSA, PMC, PubMed). Eine medizinische Beratung wird hierdurch nicht ersetzt. Bei gesundheitlichen Fragen, bestehenden Erkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme, in der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern und Jugendlichen sollten individuelle Entscheidungen mit Arzt, Apotheke oder Hebamme abgestimmt werden. Die dargestellten Werte unterliegen natürlichen Schwankungen von ±20–30 % je nach Bohne, Brühtechnik und Tagesform und sind keine exakten Labormessungen deines konkreten Getränks.
